Besser Global Marshall Plan als Aktionsplan gegen Hunger
Thema: marshallplan
von depod 26. April 2008
Detlef Wendt, Koordinator der Global Marshall Plan Initiative in Thüringen, schrieb am 23. April 2008 folgenden Leserbrief an DIE WELT :
Der Vorsitzende des Rats für Nachhaltigkeit, Volker Hauff kündigt an (vgl. „Die Welt“ vom 23.04.2008), dass die Bundesregierung noch bis zur Sommerpause eine Strategie entwickeln wolle, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen. Dies ist ein richtiger Schritt, aber nicht ausreichend. Wieder einmal wird, wie auch das nun heiß diskutierte Thema Biosprit zeigt, aktionistisch und ohne Blick auf die systemischen Gesamtzusammenhänge reagiert. Weitere Millionen für Hilfen zur Bekämpfung des Hungers bereitzustellen ist humanitär notwendig, geht aber nicht an die strukturellen Ursachen.
Das Problem der Nahrungsmittelversorgung ist vor allem eine Folge der herrschenden Handels- und Wettbewerbsstrukturen, der Verteilung, der Fehlsteuerung durch Subventionen und zunehmend auch von Umweltschäden und klimatischen Veränderungen. Nur wenn die Stellschrauben in diesem Gesamtsystem in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung verändert werden, können die von den Vereinten Nationen formulierten „Milleniumsziele“ erreicht werden. Der Kampf gegen den Hunger, eines der Kernziele, kann nur im Verbund mit der Beendigung der heute vorherrschenden, letztlich auf der Ausbeutung von Natur und Menschen basierenden Wirtschaftsweise erfolgreich sein. Dies wiederum erfordert eine Änderung der globalen Spielregeln, eine neue „global governance“ für eine öko-soziale Entwicklung.
Hierfür setzt sich die Global Marshall Plan Initiative (GMPI) ein, die als bisher einzige zivilgesellschaftliche Bewegung ein kohärentes und umfassendes Bündel von Vorschlägen für die Verwirklichung einer weltweiten öko-sozialen Marktwirtschaft erarbeitet hat. Die in dem o. g . Artikel der Welt zitierten Experten Uwe Möller, langjähriger Generalsekretär des Club of Rome in Deutschland, und Franz Fischler, ehemaliger EU-Agrarkommissar – sind erklärte Unterstützer der GMPI. Das jüngst veröffentlichte Buch von Fischler und Gottwald ist als „Bericht an die Global Marshall Plan Initiative“ erschienen. Es beschreibt die Bausteine eines Alternativkonzepts, in dem das Recht auf Nahrung, die Bedürfnisse der Landbevölkerung, die ökologische Nachhaltigkeit und die Verlangsamung des Klimawandels im Vordergrund stehen. In dem Konzept geht es nicht um humanitäre Hilfe in Krisengebieten, die weiterhin und verstärkt geleistet werden muss, sondern um die nachhaltige Gestaltung der landwirtschaftlichen Produktion. Eine faire globale Handels- und Wettbewerbspolitik ist dabei ebenso wichtig wie eine angepasste Bildungs - und Energieversorgung für den ländlichen Raum.
Es wäre erfreulich, wenn der nun angekündigte Aktionsplan der Bundesregierung diesen Zusammenhang berücksichtigt und damit Widersprüchlichkeiten zu anderen Erklärungen und Maßnahmen auf internationaler Ebene, z.B. beim Klimaschutz, vermeidet. Eine gute Gelegenheit, dies zu diskutieren, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden, könnte die nächste Tagung des Nachhaltigkeitsrates vom 23.- 25. Juni 2008 in Erfurt sein. Die GMPI, die ungefähr zur selben Zeit die Gründung eines nationalen Verbandes der deutschen Lokal-, Regional- und Landesgruppen plant, wird versuchen, ihre Stimme in diese Tagung einzubringen.

